Jahr 2021 – WE.care hat viel geschafft!

Lieber Mitglieder, Freunde und Interessierte!

Die schwierigen Zeiten für alle von uns haben auch gute Seiten. Corona hat die Welt fest im Griff – thematisch, wirtschaftlich, gesundheitlich- und es muss und geht weiter in der Welt. Wir haben dieses Jahr leider, ausser des Dental Camps 20/21, keine Missionen im laufenden Jahr vor Ort vornehmen können. Allerdings wurden einige Projekte angestossen und auch vollendet, welche unter anderem durch eure Spenden und tatkräftige Unterstützung erst möglich war. Dafür sind der Vorstand und ich sehr dankbar.

Auf diesem Wege möchte ich mich schon einmal im Namen der vielen Armen und Bedürftigen aus Karachi / Pakistan, denen wir helfen konnten, bedanken. Der Vorstand schliesst sich dem Dank an und wir würden uns freuen, wenn Ihr uns weiter so toll unterstützt wie in den vergangenen Jahren!

Was haben wir nun geschafft im Jahr 2021? Nun, wir haben wirklich sehr viel leisten können. Darüber möchte ich euch im folgenden kurz informieren.

  1. Mission 20/21: Trotz und auch wegen Corona und der aussergewöhnlichen Belastungen für die Armen und Bedürftigen habe ich mich dazu entschieden am 11. Dezember 2020 zum Dental Camp nach Karachi zu fliegen. Es waren einige Aufgaben abzuschliessen, z.B den Aufbau des neuen Behandlungszimmers in der Klinik in Clifton. Es waren viele Patienten schon für das Dental Camp September 2020 einbestellt worden, welches leider wegen der akuten Covid19 Situation abgesagt werden musste. Entsprechend hatte ich mit vielen Behandlungen zu rechnen. Die Station in Korangi, die wir in 2020 fertigstellen konnten, habe ich das erste mal persönlich sehen und abnehmen können. Alles ist sehr ordentlich und fachgerecht aufgebaut worden. Ich möchte hier vor allem Nadeem Khan danken, der die vom Zoll teilweise stark beschädigten zahnärztlichen Behandlungseinheiten rekonstruieren konnte und funktionstüchtig an uns übergeben hat. Dr. Rabia und ihr Assistent konnten im Oktober 2020 mit Ihrer Arbeit dort beginnen. Leider ist das aus Deutschland eingeschiffte Gross-Röntgengerät nicht funktionsfähig, trotz vieler Reparaturversuche von Herrn Khan. (Hierzu siehe weiter unten, wie wir den Ersatz organisieren konnten).
Behandlung in Schutzmontur in der Klinik in Clifton mit Dr. Gulfam Atif (rechts)
  1. Care Pakete : aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen, traf es gerade die Ärmsten am meisten. Die sogenannten Tagelöhner konnten im ersten Halbjahr diesen Jahres kaum Arbeit finden. Das wenige Geld, was sie mit nach Hause bringen, reicht so kaum zum Leben und daher kamen viele in große Probleme überhaupt sich und ihre Familien zu ernähren. Deshalb haben wir in diesem Jahr mehrere Events mit unserem gemeinnützigem Partner AMT durchgeführt, bei denen wir Care Pakete an die Bedürftigen verteilt haben. Die Pakete bestanden aus Mehl, Zucker, Salz, Öl, Butter, Gewürzen, Tee und anderen für den täglichen Gebrauch benötigten Lebensmitteln. Die Menge reicht für eine kleine Familie bis zu einen Monat. Diese Hilfe werden wir im Jahr 2022 sicherlich weiter leisten müssen, denn gerade den Bedürftigen geht es weiterhin nicht gut was die Erwerbslage angeht.
Verteilung der von WE.care e.V. gespendeten Care Pakete durch unseren Partner AMT (2v.r. Latif Butt, Leiter AMT der Region Sindh)
  1. Solaranlage : im Dezember konnten wir unser lange geplantes Projekt der Installation der Solaranlage auf dem Dach der Klinik in Clifton realisieren. Ein besonderer Dank gilt hier Dr. Yaqub Chughtai, der dieses Projekt federführend betreut und nun umgesetzt hat. Energie ist in Pakistan nicht nur extrem teuer, sondern auch nicht immer verfügbar. Daher stellt es eine grosse Bereicherung für die Klinik dar. Der Klinikalltag ist nun unabhängig von der externen Stromverfügbarkeit und die eingesparten Kosten können der Behandlung der armen und bedürftigen Patienten zugutekommen.
PV Anlage auf dem Dach der Klinik im Stadtteil Clifton Karachi / Pakistan
Umwandler der PV Anlage (DC->AC)
  1. Röntgengerät: die grosszügige Spende der Patienten der Praxis ZA.eins Dr. K. Chughtai von 10.269,96 € und weitere Spenden die Anfang des Jahres durch einen gezielten Spendenaufruf zusammen kamen, kommt der Anschaffung eines Orthopantomogramms zugute. Das Gerät wird gerade erworben und soll in der Zahn-Klinik in Korangi, die wir letztes Jahr aufgebaut haben, aufgestellt werden.

Was haben wir für 2022 vor? Wir wollen endlich wieder vor Ort arbeiten und den Menschen durch (zahn-)ärztliche Behandlungen helfen. Dazu ist eine Mission im Mai 2022 angedacht. Wir werden euch hier in den nächsten Wochen die Einzelheiten mitteilen. Sicherlich wird es auch weiterhin notwendig sein Lebensmittelpakete zu verteilen, denn die wirtschaftliche Situation gerade der bedürftigen Bevölkerung ist teilweise verheerend.

Wir wünschen unseren Unterstützern, Mitgliedern und Freunden alles Gute für das neue Jahr!

Euer Dr. Kashif Chughtai

Erfahrungsbericht zum 5. Dental Camp in Karachi

von Rena Cheema

Hallo liebe Freunde und Mitglieder,

Mit vielen tollen Eindrücken und Erlebnissen geht das 5. Dental Camp für mich und Dr. Kashif Chughtai in Karatschi zu Ende.

Hauptanliegen bei diesem Einsatz war es mehr Fokus auf die Behandlung und das Mundgesundheitstraining der Kinder zu legen, weitere Zahnärzte und zahnärztliches Personal auszubilden sowie den Bau des zahnärztlichen Behandlungsraumes in der Klinik in Korangi voranzubringen.

Behandlung
Behandelt wurde vorrangig in der Al Mustafa Trust Medical Clinic in Clifton, Karatschi. Das Krankenhaus liegt in unmittelbarer Nähe zum Armenviertel “Shirin Jinnah Colony”, wo auch der Großteil unserer Patienten herkommt.

An dieser Stelle großen Dank an unsere Sponsoren für die Bereitstellung großzügiger Spenden: Hufriedy, Voco, Kaniedenta, Refit, Dentcare und Humblebrush.

Dr. Kashif Chughtai bei der Zahnextraktion
Kariös zerstörtes Gebiss mit Fistelgang. Die Patientin war noch nie beim Zahnarzt

Mundhygienetraining

Hauptursachen für die katastrophalen Zahnzustände sind unzureichende Mundpflege und falsche Ernährung. Daher ist es für uns sehr wichtig bei unseren Einsätzen dort bei den Kindern anzugreifen.

Kariös zerstörtes Gebiss

Jeden Tag haben wir in Kleingruppen ausführliches Mundgesundheitstraining durchgeführt.

Viele Kinder hatten zum ersten Mal eine Zahnbürste in der Hand und haben ein Einzeltraining bekommen. Und mit etwas Übung haben es auch die Kleinsten tapfer gemeistert.

Bei zukünftigen Trainings sollen die Kinder sich nach 3 Monaten nochmal zum zahnärztlichen Check Up in der Klinik vorstellen und erhalten dann eine neue Zahnbürste. So soll gewährleistet werden, dass sie das Gelernte verinnerlichen und kariöse Läsionen frühzeitig erkannt werden.

Zahnärztin Rena Cheema beim Mundhygienetraining

Schulbesuch

Zudem haben wir eine Schule im Armenviertel Shirin Jinnah Colony besucht. Die Kinder haben sich sehr über unsere Arbeit gefreut und die Lehrer waren auch sehr motiviert uns zu unterstützen.

Eine Überlegung wäre diese Schule regelmäßig zu besuchen, da auch hier die Zahnzustände teilweise sehr katastrophal waren und die Lehrer bezüglich Ernährung und Mundhygiene zu schulen.

Dr. Kashif Chughtai

Ausbildung Zahnärzte und zahnärztliches Personal

Damit das Projekt nach unserer Abreise weiterlaufen kann und wir nachhaltig helfen, ist es wichtig für uns vor Ort unser Wissen weiterzugeben und Personal auszubilden.

Gerade die Etablierung von Hygienestandards vor, während und nach der Behandlung sind essenziell um u.a. das Infektionsrisiko mit ansteckenden Krankheiten zu verringern.

Neben der Zahnärztin Dr. Gulfam Atif vom Clifton Medical Centre hatten wir Besuch von zwei weiteren Zahnärztinnen mit ihren zahnärztlichen Assistenzen.

Vermittelt wurden theoretisch und praktisch Behandlungsabläufe im Bereich Füllungstherapie, Endodontie und chirurgischer Zahnextraktion.

Die zahnärztliche Ausbildung in Pakistan ist nicht sehr praxisorientiert und für qualitativ hochwertiges Arbeiten fehlen oftmals die Zeit und das Geld – möglicherweise auch das Wissen.

Darüberhinaus haben wir der Zahnärztin, die für den neuen Behandlungsraum in der Klinik in Korangi zuständig sein wird, die von uns in Clifton etablierten Behandlungs- und Hygieneabläufe beigebracht.

Dr. Chughtai mit den pakistanischen Zahnärztinnen und Assistenz bei der Vorbereitung einer endodontischen Behandlung
Zahnärztin Rena Cheema mit Dr. Gulfam Atif und Maheen beim chirurgischen Training von Dr. Kashif Chughtai zu Schnittführung, Nahttechniken, Weisheitszahnextraktionen, Parodontalchirurgie, Rezessionsdeckung, Abszessinzision am Kuhkiefer

Besuch bei Prof. Shah Jahan Katpar

Austausch beim Abendessen mit Prof. Shah Jahan Katpar, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg an der Dow University in Karatschi über die (zahn-)medizinische Versorgung in Pakistan.

Besuch deutsches Generalkonsulat in Karatschi

Wir haben das deutsche Generalkonsulat in Karatschi besucht um WE.care e.V. und unseren Einsatz in Pakistan vorzustellen. Wir waren sehr erfreut, dass dies dort sehr positiv aufgenommen wurde und Unterstützung angeboten wurde.

Quelle: https://pakistan.diplo.de/pk-de/vertretungen/karachi

Freizeit

Neben der Arbeit blieb auch etwas Zeit für Freizeitprogramm, bei dem wir die Möglichkeit hatten Karatschi und die Umgebung besser kennenzulernen.

Streetfood Tour
Besuch einer traditionellen Hochzeit
Strandausflug

Weitere Impressionen

Straßenkinder in Pakistan

Abends sieht man in den Straßen viele Kinder, die versuchen Blumen oder Spielzeuge zu verkaufen, um an etwas Geld zu kommen. Diese Kinder haben keine Aussicht auf eine Schulbildung und ein kindgerechtes Aufwachsen.
Während andere Kinder mittags in die Schule gehen, arbeitet dieses Mädchen an einem Pani Puri / Gol Gappa Straßenverkaufsstand (ein beliebter Straßensnack aus frittierten Teighüllen und einer würzigen Füllung).

Eure Rena Cheema

3. Erfahrungsbericht Dental Camp Karachi (22.04 – 28.04.19)

Hallo liebe Freunde und Mitglieder,

mit Abreise von Dr. Kashif Chughtai ist die 3. und letzte Woche des 4. Dental Camps erreicht.

In dieser Woche haben wir die Behandlungszeiten auf 9 – 14 Uhr umgeändert, allerdings sind jeden Tag so viele Patienten gekommen, dass wir es nícht geschafft haben alle in der Zeit zu therapieren.

Zudem war unsere Sicherheit durchgehend durch eine Polizeieskorte, die durch Al Mustafa Trust bereitgestellt wurde, gesichert. Diese hat mich auf dem Weg zum Krankenhaus und nach Hause begleitet und während der Behandlung standen diese vor dem Behandlungsraum. Auch wenn es keinen Anhalt für einen Schutz gab, so wurde dadurch Ordnung und Sicherheit vermittelt.

Es hat sehr viel Spaß gemacht gemeinsam mit Frau Dr. Gulfam Atif zu behandeln und sie zeigte sich sehr erfreut über die Möglichkeit durch das aktuelle sowie die vergangenen Dental Camps ihr Wissen zu erweitern und ihre Behandlungsmethoden zu verbessern. Gemeinsam haben wir diese Woche mit dem 286. Patienten abgeschlossen

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Abb. 1 Rena Cheema und Gulfam Atif

Die Schwierigkeit diese Woche war es den Patienten zu erklären wie wichtig es ist, auf ihre Zähne und ihren Körper zu achten. Leider ist die Analphabetenrate sehr hoch und mit fehlender Bildung kommt auch ein fehlendes Bewusstsein für die eigene Gesundheit einher. Daher ist, neben der medizinischen Versorgung, eines unserer großen Aufgaben vor Ort Aufklärungsarbeit zu leisten.

In vielen Regionen Pakistans gibt es keine allgemeine Schul- oder Bildungspflicht. (Laut Zahlen des Bildungsministeriums gingen Anfang 2017 22,6 Millionen Kinder in keine Schule.) Ein Grund für die geringe Bildungsrate sind sicherlich fehlende finanzielle Mittel der Eltern, weshalb die Kinder eher zum Arbeiten als in die Schule geschickt werden. So haben wir einen 14-jährigen Jungen angetroffen, der bereits für den Lebensunterhalt seiner jüngeren Geschwister arbeiten gehen musste. Allerdings ist ein weiteres Problem auch, dass es Mädchen oft in nicht gebildeten Familien vom Familienoberhaupt verwehrt wird in die Schule zu gehen. Die Gründe sind leider oftmals sehr unzureichend und nicht nachvollziehbar. So sei es üblich, dass Mädchen zu Hause bleiben, weil es Gewohnheit ist oder aber auch aus Angst, dass sie von zu Hause weglaufen könnten. So entsteht ein Teufelskreislauf, aus dem es fast unmöglich scheint, auszubrechen. Gerade in diesen Familien haben wir unzureichende Mundhygienezustände gesehen. Wir haben versucht intensives Mundhygienetraining mit diesen Patienten durchzuführen, auch mit der Hoffnung, dass sie das neu erlernte Wissen an ihre Familien weitergeben und sich die Zustände verbessern.

Fazit: Unzureichende medizinische Versorgung, fehlende Bildung und schlechte zahnmedizinische Zustände sind einige der Probleme mit denen wir es täglich im Camp zu tun hatten. Es hat mich sehr gefreut, dass wir mit unserer Arbeit vielen Menschen helfen konnten. Die Hilfe von außen ist dringend nötig, um eine Grundlage für eine gute zahnmedizinische Betreuung der Patienten zu ermöglichen. Darüberhinaus sind Prophylaxe und Aufklärungsarbeit neben der eigentlichen Behandlung eine wesentliche Aufgabe von uns.

Abb. 2 Gruppenbild mit einigen der Kinder und Angestellten

Mit freundlichen Grüssen,

eure Rena Cheema

2. Erfahrungsbericht Dental Camp Karachi (15.04 – 21.04.19)

Liebe Mitglieder und Freunde,

nach einem erholsamen Wochenende mit einem Strandausflug zum French Beach, ca. 2 Fahrtstunden westlich von Karachi, startete die Woche wieder mit einem mehr als vollem Wartezimmer und einigen schwierigen Fällen.

Abb. 1 Ausflug nach French Beach

So z.B. der Fall einer 16-jährigen Patienten mit einem Tumor in der Mundhöhle, die seit Monaten von einem Krankenhaus zum anderen geschickt wurde, ohne dass eine adäquate Diagnosefindung erfolgt ist, ganz abgesehen von einem Therapieversuch.

Abb. 2 Patientin mit Oberkiefertumor

(Stand 13.05.19: Die Patientin wird zunächst an der Nebenschilddrüse operiert, wo ein Tumor entdeckt wurde)

Die medizinische Versorgung in Pakistan ist mehr als unzureichend und oftmals fehlen standardisierte Behandlungsabläufe, was zu einer mangelhaften Betreuung der Patienten führt

Abb. 3 Patient mit Druckgeschwür von Prothese
Abb. 4 Prothese des Patienten aus Abb. 2

Im Bereich der Zahnmedizin ist ein großes Problem, dass sich gerade in den ärmeren Bevölkerungsschichten die Patienten von unqualifizierten Straßenzahnärzten behandeln lassen. Die Behandlung ist billig, aber teilweise unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. 

Uns blieb häufig nichts anderes übrig als dort „therapierte“ Zähne zu extrahieren. 

Abb. 5 kürzlich überkronter Zahn nach Extraktion

Diese Woche hat die Zahnärztin Dr. Madiha Fahad aus dem Al Mustafa Trust Medical Centre Mahmoodabad bei uns in Medical Center Clifton hospitiert und wir haben ihr unsere Standards bei den Behandlungsabläufen gezeigt.

Abb. 6 Dr. Kashif Chughtai (vorne) und Dr. Madiha Fahad

Am Samstag haben wir die “Shirin Jinnah Govt. School” in der Nähe des Clifton Medical Centers besucht, eine staatliche Schule, auf der Kinder aus den sozial schwachen Schichten die Möglichkeit auf etwas Bildung haben.

Unser Ziel war es ein Mundhygienetraining mit den Kindern durchzuführen und über die Wichtigkeit einer guten Ernährung aufzuklären. Dazu sind wir in die Klassen gegangen, haben aus Deutschland mitgebrachte Zahnbürsten und Zahnpasta an die Kinder verteilt und gemeinsam das Zähneputzen geübt, was bei Vielen alles andere als selbstverständlich zum Alltag dazugehört. Viele Kinder haben zum ersten Mal eine Zahnbürste in ihrer Hand gehalten und erfahren wie man diese richtig verwendet.

Insgesamt war es ein sehr erfolgreicher Tag in der Schule und die Kinder haben motiviert mitgearbeitet.

Abb. 7 Schüler der Shirin Jinnah Government School

Die Woche ging zu Ende mit dem 220. erfolgreich behandelten Patienten. Für Dr. Kashif Chughtai war es ebenso die letzte Woche des Dental Camps und am Montag Morgen hat er die Heimreise nach Deutschland angetreten.

Abb. 8 Bilder des Teams von WE.care und Al Mustafa Trust beim Abschlussdinner

Viele Grüße aus Karachi,

eure Rena Cheema

1. Erfahrungsbericht Dental Camp 06.04 – 12.04.19

Liebe Mitglieder und Freunde,

die erste Woche des 4. Dental Camps in Karatschi geht erfolgreich mit dem 100. Patienten zu Ende.

Mein Name ist Rena Cheema, ich habe im Januar 2019 mein Zahnmedizinstudium in München beendet und nach einem 6 wöchigen Einsatz für das zahnärztliche Hilfsprojekt in Brasilien e.V., ging es für mich voller Vorfreude zum ersten Mal zu einem Dental Camp nach Karachi / Pakistan als Unterstützung für Dr. Kashif Chughtai.

Abb. 1 Rena Cheema, Zahnärztin

Die Behandlungen fanden im Al Mustafa Trust Medical Center in Clifton statt mit der dortigen Zahnärztin Dr. Gulfam Atif und dem Zahnarzthelfer Ejaaz Mohammed, wo wir von Mo – Fr von 9:30 Uhr bis 17.30 Uhr arbeiteten. 

Behandelt werden vor allem Patienten aus dem umliegenden Armenviertel Shiri Jinnah Colony, aber teilweise haben die Menschen auch einen stundenlangen Anreiseweg auf sich genommen. Die Kommunikation mit den Patienten findet vorwiegend auf Urdu statt, wir haben allerdings auch viele Paschto-sprachige Patienten (aus der Grenze zu Afghanistan stammend).

Abb. 2 Behandlungsraum

Nach einer herzlichen Aufnahme durch die Familie Chughtai startete das Dental Camp am Samstag, den 06.04.2019 mit einem Kids day bei dem wir zahlreiche Kinder im Alter von 4 – 18 Jahren behandelt haben und eine Gruppenprophylaxe umgesetzt haben. 

Auch an den anderen Behandlungstagen haben wir einen großen Fokus auf das Mundhygienetraining gelegt; als Spende mitgebrachte Zahnbürsten und Zahnpasten verteilt, da die meisten Patienten nicht wissen wie und wann man gute Mundpflege betreibt oder schlichtweg das Geld für Mundpflegeartikel fehlt. Das Resultat sind teilweise katastrophale Zahnzustände, die mich sehr schockiert haben. 

Abb. 3. durch Karies zerstörte Zähne

Vorgefunden haben wir nicht nur bei Erwachsenen multiple komplett zerstörte Zähne, sondern auch unsere Patienten im Kindesalter hatten häufig vollkommen destruierte Milch- und bleibende Zähne, wo als letzte Hilfe nur noch die Extraktion blieb.

Abgesehen von der Tatsache, dass sich viele Patienten keinen Zahnarzt leisten können, suchen viele einen Zahnarzt erst auf, wenn sie bereits sehr starke Schmerzen haben. Davor wird versucht die Schmerzen mit starken Schmerzmitteln und Antibiotika selbst zu therapieren. (Antibiotika sind in Pakistan frei verkäuflich!)

Abb. 4 Kind mit Süssigkeiten, die es wie selbstverständlich mitbringt

In dieser Woche reichte unser Behandlungsspektrum von Füllungen an Milch- und bleibenden Zähnen, Wurzelkanalbehandlungen bis chirurgische Zahnextraktionen. Als frisch approbierte Zahnärztin hatte ich die Möglichkeit, in so kurzer Zeit schon sehr viele interessante und schwierige Fälle kennenzulernen und zu behandeln.

Dr. Kashif Chughtai ist sehr bemüht das Team fachlich auf einen guten Stand zu bringen und bei den Behandlungen deutsche Standards zu implementieren. So finden Wurzelkanalbehandlungen ausnahmslos unter Kofferdam in aseptischen Bedingungen statt und auf Hygiene und vernünftige Karteikartenführung wird sehr großen Wert gelegt. 

Abb. 5 Team Training

In der Mittagspause wurde von WE.care e.V. auch täglich Essen (frisch zubereitetes Biryani [Reisgericht mit Hähnchen]) an bedürftige Patienten verteilt.

Abb. 6 Patienten beim Essen

Nach diesen anstrengenden, aber erfolgreichen Tagen freue ich mich bereits auf die bevorstehende Woche.

Liebe Grüße aus Karachi,

eure Rena Cheema